Aufgewachsen in der südlichen Lüneburger Heide habe ich in meiner Kindheit und Jugend viel Zeit in der Natur verbracht – draußen gespielt, Insekten beobachtet, gegärtnert, die Welt um mich herum mit allen Sinnen wahrgenommen und mich manches Mal in Tagträumen verloren. Ich habe mir oft kleine Geschichten oder Gedichte ausgedacht, gemalt, gebastelt oder gesungen. Auch Kostüme ausdenken und umsetzen, Schminken und Frisuren ausprobieren hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich hätte ahnen können, dass ich mich auch beruflich im kreativen Bereich wohlfühlen würde. Nach einem kurzen Abstecher in die Geisteswissenschaft landete ich schließlich beim Kostümdesign.
Nach einem Praktikum am Schauspielhaus Hannover begann ich im Herbst 2013 mein Kostümstudium an der Hochschule Hannover. In den verschiedenen Semesterarbeiten befasste ich mich unter anderem mit Figuren wie der Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried, dem Boanlkramer, Zerlina oder den Tieren aus dem Kinderbuch Katze mit Hut. In vielen Zusatzkursen erweiterte ich meine künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten. Nähen, Zeichnen, Malen, Modellieren und Buchbinden gehörten genauso dazu wie auch Schnittkunde. Zu letzterer zählten beispielsweise das Konstruieren eines Korsetts (s. Katze mit Hut) und der sogenannte Gewandschnitt, bei dem ich mich an einem Foto von Astrid Lindgren orientierte und einen Mantel und einen Rock schneiderte. Während zwei Hospitanzen – am JES Stuttgart (entweder und – Regie: Hannah Biedermann, Bühne & Kostüm: Mascha Mihoa Bischoff) und am Schlosstheater Celle (u.a. Die Physiker – Regie: Jens Schmidl, Bühne und Kostüm: Kerstin Laube) – sammelte ich weitere Praxiserfahrungen. In meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich mit der Novelle Herland von Charlotte Perkins Gilman und setzte fünf Frauenfiguren kostümtechnisch um.
Nach einer Kostümassistenz am Staatstheater Dresden (Früher war alles – Regie: Jan Gehler, Kostüm: Claudia Irro, Bühne: Sabrina Rox) entschied ich mich im Frühjahr 2019 dazu, noch eine Ausbildung zur Holzbildhauerin zu machen.
Für meine Holzbildhauerausbildung zog es mich nach Flensburg.
An der Eckener Schule lernte ich innerhalb von drei Jahren das Schnitzen von Ornamenten, Reliefen, Schrift und Skulpturen, das Erstellen von Ton- und Gipsmodellen, aber auch verschiedene Holzbearbeitungstechniken und im Zuge dessen den Umgang mit diversen Werkzeugen und Tischlereimaschinen.
Meine zeichnerischen Fähigkeiten konnte ich ebenso vertiefen wie das kunstgeschichtliche Wissen, dass ich bereits aus dem Studium mitgebracht hatte. Ich beschäftigte mich mit menschlicher und tierischer Anatomie, den Grundlagen des Vergoldens und anderer Oberflächenbehandlungen und eignete mir zudem holztechnisches Wissen an.
In mehreren „Außenprojekten“ hatten wir die Möglichkeit, erste Auftragsarbeiten auszuführen. Angefangen von kleinen Mühlenmäusen für die Flensburger Bergmühle über größere Schilder mit Schrift, die an einer Duckdalbe in Wassersleben angebracht wurden, bis hin zu großen Baumstamm-Abschnitten, aus denen wir mittels Kettensäge und anschließender Feinarbeit märchenhafte Skulpturen für Flensburgs Volkspark fertigten.
Zum Thema „Raum-Volumen-Form“ im Rahmen des Heinrich Sauermann-Wettbewerbs gestaltete ich eine Stadt auf einer Halbkugel.
Für meine Abschlussarbeit schnitzte ich einen Feldhasen. Die Vorbereitung dafür bestand aus Anatomie-Recherche, dem Erstellen von Skizzen, Tonmodellen und Gipsabguss sowie der maschinellen Bearbeitung der Holzbohlen und anschließender Verleimung dieser. Darauf folgte der eigentliche Schnitzprozess und das abschließende Wachsen der Oberfläche. So entstand innerhalb von drei Monaten aus einer ersten Idee mein fertiges Gesellinnenstück.
Nachdem ich mich nun drei Jahre lang ganz dem Kunsthandwerk gewidmet hatte, wollte ich erneut in die Theaterwelt eintauchen. Mein Weg führte weiter nach Lübeck.
Im Sommer 2022 begann ich, als Ausstattungsassistentin am Theater Lübeck zu arbeiten.
Ich unterstützte Kostüm- und Bühnenbildner*innen bei ihrer Arbeit und betreute Produktionen von der Bauprobe bis zur Premiere. Als Bindeglied zwischen Ausstatter*innen und Theater begleitete ich die verschiedenen Produktionsprozesse wie Werkstatt-, Kostüm- und Maskenabgaben, Bauproben, Fundusgänge, Anproben, Requisiten- oder Beleuchtungsgespräche. Ich betreute Proben, richtete Bühnenbilder ein und kümmerte mich um die Verwaltung und Pflege der Probenkostüme, Requisiten und Bühnenbildelemente.
Meine kreative und handwerkliche Vorerfahrung konnte ich bei verschiedenen Projekten ebenfalls einbringen. So stattete ich die Studio-Produktion Ins stille Land (Musiktheater, Regie: Judith Lebiez) aus, schnitzte zwei Holzfiguren für Eine kurze Chronik des künftigen China (Regie: Max Claessen, Bühne: Mirjam Benkner, Kostüm: Ilka Meier) und wurde 2023 mit der Neugestaltung der Weihnachtsdekoration aller Foyers des Hauses beauftragt.
In der Spielzeit 23/24 übernahm ich die Gesamtausstattung der Produktion Fräulein Else (Regie: Johanna Retzer).
Ich habe in diesen zwei Spielzeiten noch einmal viele detaillierte Einblicke in den Theateralltag bekommen, ganz unterschiedliche und besondere Menschen kennengelernt und einige tolle Premieren miterlebt.
Mit diesen Erfahrungen im Rücken habe ich im Herbst 2024 den Entschluss gefasst, mich selbstständig zu machen.
Seit 2024 arbeite ich als selbstständige Kostüm- und Bühnenbildnerin sowie als freie Künstlerin.
Ich konnte als Gesamtausstatterin an einem Abend über die Angst (Theater Lübeck/St.Petri Lübeck) mitwirken und für die Tanzperformance artificial (TanzOrtNord) ganz unterschiedliche Kostüme für mehrere Choreografien entwickeln.
Aktuell nutze ich meine Zeit, um mich künstlerisch weiterzuentwickeln und verschiedene Techniken auszuprobieren – von Malerei, Zeichnung und Mixed Media bis hin zu plastischen Arbeiten. Ich bin offen für Neues, experimentiere gerne und freue mich darauf, Ideen umzusetzen und Teil von spannenden Projekten zu sein.